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Erdlinge

Posted by Holger - 2 Oktober 2008

Diese Nacht kann ich nicht schlafen. 

Diese Nacht kann ich nicht schlafen vor Trauer und Entsetzen.

Ich habe mich erinnert.

Ein Film hat mich erinnert.

Während Sie diese vier kurzen Sätze gelesen haben, wurden allein in den USA 5.000 Tiere in Schlachthöfen getötet. Tiere zu töten ist nur eine Form des „Umgangs“, den wir Menschen in Verbindung mit der Schöpfung „kultiviert“ haben. Wer Fleisch isst, hat in der Regel die Vermutung, dass das Tier beim Schlachten nicht gelitten hat. Im Grunde genommen will der Fleischesser es aber nicht wissen. Die Werbebilder lustig grinsender Schweine mit Messer im Rücken spiegeln jedenfalls nicht die Wirklichkeit der Schlachthöfe wider. Wären die Mauern der Schlachthöfe aus Glas, so wären fast alle Menschen Vegetarier.

Erdlinge ist der Titel eines Films, der deutlich macht, was Vögel, Reptilien, Säugetiere, Wirbeltiere, Kaltblütler, Amphibien, Fische, kurz: lebende Wesen miteinander verbindet: wir alle leben auf diesem Planeten. Wir alle, „Tiere und Menschen“ sind Erdlinge. 
Zweifelsohne gibt es Unterschiede zwischen nicht-menschlichen und menschlichen Tieren. Doch neben den Unterschieden gibt es unübersehbare Gemeinsamkeiten: den Wunsch nach Wasser und Nahrung, nach Geborgenheit und Schutz, nach Gesellschaft, nach Bewegungsfreiheit, nach Gesundheit und Schmerzfreiheit. Darin sind Menschen den Tieren gleich. In diesem Sinne sind wir alle Erdlinge.

Der Film Erdlinge zeigt, wie die einen Erdlinge mit den anderen umgehen. Tiere werden von Menschen zu Objekten gemacht. Deren Bedürfnisse werden missachtet. Und das tagtäglich, überall, massenhaft – in einer Weise, die zurecht immer wieder bildhaft mit dem Holocaust verglichen werden muss. Der Holocaust der Tiere dauert an. Jetzt. In diesem Augenblick.

Das bezieht sich Weißgott nicht auf das Schlachten alleine. Kälber werden nach der Geburt ihrer Mutter entrissen. Sie erhalten eisenarme Nahrung, damit sie keine Muskeln entwickeln. Ohne Tageslicht, ohne Frischluft werden sie so eingepfercht, dass sie sich nicht bewegen können. Tag für Tag. Nacht für Nacht. Die Milch, die die Mutterkuh derweil für ihr Kälbchen produziert, wandert in die Kühlregale der Supermärkte. Nach viermonatiger Qual werden die Kälber geschlachtet. 
Kalbsbraten. 

Der Film Erdlinge zeigt in fünf Kapiteln, wie der Mensch  die Herrschaft über die Tiere ausgebaut hat:

  1. Haustiere
  2. Nahrungsmittel
  3. Kleidung
  4. Unterhaltung
  5. Wissenschaft 

Ich kann den Film Erdlinge eigentlich nicht empfehlen, wenn Sie weiter schlafen wollen. Denn er macht schlaflos. Er weckt auf. Ich habe schon viele Gewalttaten gegen Tiere und Menschen gesehen – die geballte Konzentration dieser Dokumentation hat mich jedoch an meine Grenzen gebracht. Ab der 23ten Minute habe ich den Bildschirm ausschalten müssen und nur noch den Ton des Kommentators gehört. Die Arroganz des Mächtigen, die überall neben der Brutalität unübersehbar ist, kann ich nur schwer aushalten. 

Dieser Film lässt nur einen Schluss zu: wenn es eine Bestie auf der Erde gibt, dann ist es der Mensch. Doch zugleich wird deutlich: es liegt auch in der Macht des Menschen, einen anderen, neuen, respektvollen Umgang mit nicht-menschlichen Tieren zu pflegen. Will die Spezies Mensch überleben, wird sie über kurz oder lang keine andere Wahl haben, mit, statt gegen die Tiere zu agieren. So, wie eine stabile Gesellschaft nur möglich wird, wenn allen Beteiligten gleiche Rechte zugesprochen werden. Eine Gesellschaft, in der Schwarze zu Sklaven gemacht werden oder in der Frauen verprügelt und ausgebeutet werden können, kann dauerhaft nicht überlebensfähig sein. Rassismus und Sexismus sind nur zwei Facetten der Ausbeutung. Die dritte heißt: Speziesismus. Die Ausbeutung begründet durch unterschiedliche Spezies. In allen Fällen werden Ungleichheiten betont: zwischen Weißen und Negern, zwischen Männern und Weibern, zwischen Menschen und Tieren. In allen Fällen dienen diese (nicht selten erfundenen) Ungleichheiten nur einem Ziel: dem brutalen Machterhalt des Herrschenden, der Ausbeutung und Vernichtung des Unterlegenen.

Erdlinge sollten Sie sich ansehen. So weit Sie können. Dieser Film wird nämlich Ihr Leben ändern. Darauf hoffe ich. Sie können sich hernach in Ihrer Komplizenschaft nicht mehr aufgrund der „Unwissenheit“ herausreden. Genau so wenig wie Mitwisser und Nutznießer von KZs es können.

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