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Wenn man was verkauft, kriegt man doch Geld im Gegenzug. Oder?

Posted by Holger - 21 August 2008

Zugegeben: die Materie ist komplex und wenig lustvoll, weshalb sich Bundesbürger/innen dafür kaum interessieren und nur schwerlich durchschauen, worum es eigentlich geht. Auch meine Kenntnisse haben Grenzen. Trotzdem stelle ich mir anlässlich des Verkaufs der Mittelstandsbank IKB an den US-Finanzinvestor Lone Star ein paar Fragen.

Zunächst einmal bombardieren mich die halbstündigen Nachrichten mit der Mitteilung, die IKB sei verkauft worden. Das hört sich doch prima an. Da hat sich jemand eine olle Kamelle andrehen lassen. Ich denke ein wenig an meine Flohmarkterfahrungen: kauft jemand den klobigen Andenken-Aschenbecher aus dem Italienurlaub 1979, ist man über die 20 Cent froh, die man dafür noch bekommen hat. Der Gewinn mag gering sein, aber man hat immerhin 20 Cent eingenommen. Ist das nicht per definitionem so, dass bei einem Verkauf jemand eine Ware (z.B. einen Aschenbecher oder eine Bank) weggibt und man von dem Käufer dafür Geld bekommt? 

Der Verkauf der IKB verlief jedoch anders: war vor ca. 3 Monaten noch die Rede davon, dass man mit einer Einnahme von 800.000,- Euro rechnete, vermeldeten Wirtschaftsexperten in den letzten Tagen, dass nun wohl eher 800.000,- Euro zur Bank mit draufgelegt werden müssen. Also wie beim Hamburger Fischmarkt: „hier noch eine Bank und hier noch mal obendrauf nicht 100.000, nicht 200.000, nicht 300.000, nein, hier noch obendrauf 800.000 Euro. Zugeschlagen!“

Tatsächlich kann eigentlich von einem „Verkauf“ nicht die Rede sein, wie die meisten Journalisten mal wieder ohne ohne Mitzudenken nachplappern. Immerhin die FAZ hat darauf hingewiesen, dass der „Verkauf“ den Bund 800.000,- Euro kostet. 

Ich will diese Vorgehensweise nicht a priori kritisieren. Das kann ja sinnvoll sein, so gehandelt zu haben. Ob im Vorfeld die milliardenschweren Finanzsspritzen unter diesen Umständen wirklich erforderlich waren, die ebenfalls der Bund, also der Steuerzahler beglichen haben, muss aber hinterfragt werden dürfen. Denn letztlich finanzieren nun die Bürgerinnen und Bürger die miesen Spekulationen der IKB, die schließlich zum Ruin geführt hatten. Hast Du erst mal eine Bank, kannst du also zocken wie blöde – irgendein Politiker wird deinen Arsch schon retten. 
Welche Politiker im vorliegenden Fall das sind, sieht man, wenn man schaut, wer eigentlich im Präsidialausschuss des Verwaltungsrats der KfW sitzt (zur Erinnerung: hier wurden die Verkaufsentscheidungen getroffen): die Bundesminister Michael Glos (CDU) und Peer Steinbrück (SPD), Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der stellvertretender Vorsitzender des CDU-Bundesfachausschusses Wirtschafts-, Haushalts- und Finanzpolitik Michael Meister (CDU), Bankenpräsident Hans-Peter Müller (CDU), Generalsekretär Hanns-Peter Schleyer vom Handwerksverband und Gewerkschaftsboss Franz-Josef Möllenberg. Allesamt Menschen, denen ich nicht für 10 Cent über den Weg traue, die die Privatisierung öffentlichen Eigentums begrüßen, die mit ihren „Kauft! Kauft!“-Appellen die Privathaushalte zu mehr Konsum (und zur Verschuldung) anheizen wollen, die, wie im Fall Michael Meister mal „Fachleute“ für Verkehr, dann für Telekommunikation und später für Wirtschaft sein wollen oder die, wie im Fall Peer Steinbrück, schon bei anderen Banken-Affären (WestLB) unangenehm aufgefallen sind.     

Das Unternehmen Lone Star, das von zahlreichen Kommentatoren im Internet als „Heuschrecke“ beschrieben wird, kündigte an, in ca. zwei Jahren werde die IKB wieder in der Gewinnzone sein. Man kann das auch anders lesen: Lone Star wird die Bank nur kurz behalten und bei der erstbesten Gelegenheit gewinnbringend verkaufen. Das könnte durchaus in zwei Jahren sein. Die Gewinne dieser US-Heuschrecke werden jedoch nicht im deutschen Staatshaushalt wieder zu finden sein. Der Staat, also die Bürgerinnen und Bürger, zahlen nur die Verluste. Gewinne hingegen werden privatisiert.

So weit also eine völlig neue Definition von „verkaufen“.

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