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Posted by Holger - 10 August 2008

Wer mittels Suchmaschinen nach Begriffen wie „Olympia Feuerwerk“ o.ä. sucht, wird massenhaft mit Texten überschüttet, die allesamt das spektakuläre Feuerwerk der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Peking bejubeln. Die Randnotiz, dass sich das, was weltweit im Fernsehen gesendet wurde, gar nicht am Pekinger Himmel abgespielt hat, muss man hingegen mit der Lupe suchen.

Teile des Feuerwerks waren nämlich das Ergebnis einer einjährig vorbereiteten Computer-Animation, wie ein Mitarbeiter jetzt verraten hat (siehe hier oder hier). 

Nun gut, könnte man sagen. Die Luft in Peking soll ohnehin smoggesättigt sein, da muss man nicht zusätzlich Böller in den verbleibenden Restsauerstoff jagen. Warum also den optischen Effekt nicht am Computer ein wenig aufhübschen?

Brisant wird es in dem Moment, wenn man sich fragt, wer Pate dieser Idee gewesen sein könnte. Und an dieser Stelle kommt die PR-Agentur Hill & Knowlton ins Spiel. Diese Agentur ist in der Vergangenheit durch fragwürdige Kooperationen und Medienaktionen aufgefallen. Am bekanntesten davon die sogenannte Brutkastenlüge.

Zur Erinnerung: Am 10. Oktober 1990 berichtete eine 15jährige Krankenschwester aus Kuwait im US-Kongress und vor laufenden Kameras aus aller Welt unter Tränen von ihren Erlebnissen im Krankenhaus von Kuwait-Stadt. Irakische Soldaten hätten, so berichtet sie immer wieder von Schluchzen unterbrochen, Neugeborene aus Brutkästen geholt und getötet. Präsident George W. Bush baute diese Episode hernach immer wieder in seine Kriegsreden ein. Diese Geschichte emotionalisierte die Menschen und verdeutlichte, welche Scheusale Iraker sein müssen. Diese Geschichte hat das US-amerikanische Volk auf den Irak-Krieg eingestimmt. Doch diese Geschichte war falsch. Sie war erstunken und erlogen – von der PR-Agentur Hill & Knowlton inszeniert. (Siehe auch hier).

Meines Wissens nach hat sich Hill & Knowlton nie davon distanziert, sich entschuldigt oder gerechtfertigt und für die beteiligten Personen hatte dies wohl auch keine nachteiligen Konsequenzen. Im Gegenteil: es war ja ein gelungener PR-Auftritt. Alles hat geklappt, wie gewünscht. Und Hill & Knowlton soll folgerichtig 14 Millionen Dollar für diese Marketing-Maßnahme erhalten haben; zum Großteil von der US-Regierung.

Doch kommen wir zurück zu Olympia 2008. Auch hier mischt Hill & Knowlton wieder mit. Diese Firma ist nämlich beraterisch tätig für das IOC und für die chinesische Regierung. Wie eng Hill & Knowlton mit dem IOC auch personell verbändelt ist, hat Barbara Vorsamer in der Süddeutschen Zeitung dargestellt: Der ehemalige PR-Mann Michael Kontos ist der Kommunikationsdirektor für die Bewerbung Chicagos für die Olympischen Sommerspiele 2016 und die heute hochrangigen IOC-Funktionäre Kevan Gosper und Alex Gilany waren während Salt Lake City 2002 im Hill & Knowlton-Team.
Sie vermutet zudem, dass die ethisch arg angeschlagene Werbefirma dem IOC die Formulierungen rund um den peinlichen Fackellauf in den Mund gelegt habe. Es gibt keine Gründe, daran zu zweifeln.

Was zunächst als ein wenig Computerspielerei anmutet, birgt also eine brisante Verflechtung politischer, wirtschaftlicher und propagandistischer Interessen. Erstaunlich, dass so wenige Journalisten das zur Kenntnis nehmen. Stattdessen werden bunte Fernsehbilder bejubelt. Ich weiß nicht, worüber ich mir mehr Sorgen machen soll: Widerwärtige Unternehmen wie Hill & Knowlton oder Medien, die die Verdummung vorantreiben. Beides zusammen ergibt gepaart mit den Machtinteressen menschenfeindlicher Staaten jedenfalls ein hochriskantes Gemisch. Im Irak ist es bereits explodiert.

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