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Meditation im Schlachthaus

Posted by Holger - 10 Mai 2007

Großen Respekt habe ich vor einer Gruppe Menschen, die zu einem Meditations-Retreat in einem Schlachthof zusammen gekommen sind. Sich der Tötungsmaschinerie zu stellen verlangt innere Stärke und Mut. Ich zitiere einen Bericht eines Teilnehmers:

*****************

Sonntag

Bei der Anfahrt nach Wachtendonk liegt am Ortsrand der Schlachthof. Erstmals steigt ein Gefühl der klammernden kalten Angst auf, was mich in den nächsten Tagen erwarten wird.

Ich komme an in einer zutiefst deutschen Idylle:
Sonntagnachmittag, Sonne, Ausflügler, Kaffee und Kuchen, weite grüne Felder und ein kleines, denkmalgeschütztes Dörfchen, wo sicher jeden Tag vor den original restaurierten Fassaden gefegt wird, Kopfsteinpflaster und plätschernder Brunnen.

Die kleine Gruppe von insgesamt 4 Personen – bei 1.100 verschickten Einladungen zu diesem Retreat – spiegelt genau das Befremden wider, das ich in meinem Umfeld erfahren habe, als ich von meinem Vorhaben berichtete, an dem Retreat teilzunehmen. „Es wird ja wohl ein stillgelegter Schlachthof sein …“ – So, wie im übrigen das Wort ‚Schlachthof‘ im Internet überwiegend im Zusammenhang mit nach der Schließung von Schlachthöfen darin entstandenen Kulturzentren auftaucht.
Auch kein Zufall.
Und wie auch die alltäglich selbstverständliche Präsenz von Fleisch in deutlichem Widerspruch zu der scheinbar völligen Abwesenheit dieser ‚Tötungsinstitutionen‘ steht.

Montag

Die erste lebendige Begegnung mit den Tieren findet am nächsten Tag auf einem Bauernhof statt, bei dem Schweinezüchter. Wir werden herzlich begrüßt mit gedecktem Kaffeetisch, frisch gebackenem Kuchen und einer großen Offenheit, mit der Möglichkeit, sehr, sehr viele Fragen zu stellen. Bei der detaillierten Führung über den Hof sehen wir Schweine in allen Lebensaltern: 1 Woche alt an die Sau gekuschelt und saugend bis zu ’schlachtreifen‘ Schweinen in Alter von 6 –7 Monaten. Merkwürdig, wie unbewertend und neutral ich mit diesem Vokabular in mir umgehe. Ich lerne, dass gesunde Schweine, die ausreichend Reizen, z.B. Tageslicht und Bewegungsraum, ausgesetzt sind, ihren Stallgenossen nicht den Schwanz kannibalistisch abnagen, wie es in den üblichen reizarmen Ställen geschehen würde, wo deshalb vorsorglich dieser Ringelschwanz abgekniffen wird. Es ist also ein Qualitätsmerkmal, ein Schwein mit Schwanz zu sehen.

Zum Meditieren stellt der Bauer in den Schweinestall einen Stuhl für eine ältere Teilnehmerin und rollt einen Teppich aus – eine wirklich berührende Einladung, obwohl es der Bauernfamilie doch sehr fremd vorkommen muß, in dieser für sie bekannten, geruchsintensiven Umgebung sich meditierend (was ist das wohl?) aufzuhalten.

Auch am nächsten Tag bleibt der Bauernhof mit seinen Ställen mit den insgesamt 900 Schweinen ein Ort, der für mich mit Harmonie, Frieden, Idylle und Schonung verbunden ist.

Wir pendeln zwischen den Orten – an dem einen Stadtrand in die Natur eingebettet der Bauernhof mit den Schweinen, fast diagonal am anderen Ortsrand in einem kleinen Industriegebiet der Schlachthof der Firma Thönes mit seinem Marketing-Motto: „Wir pflegen das Original“, dazwischen, genau im Ortskern unsere Unterkunft, alles zu Fuß erreichbar.

Nachmittags sind wir im Schlachthof und bekommen eine ausführliche, mehrstündige Führung von einem freundlichen, offenaugigen Menschen, dem Betriebsleiter, der geduldig und warm unsere vielen Fragen beantwortet. Auch hier, merkwürdigerweise, empfinde ich, wie in mir eine Nähe entsteht, während ich in differenzierten Erklärungen die Schlachthaustechnik erfahre. Fast wie ein Aufatmen: Ach – es ist doch gar nicht so schlimm. Nein – eher eine ‚Wellness-Farm‘ für Tiere – mit viel Schonung und Respekt.

Ein von den Reinigungstrupps nach der Schlachtung vergessener Fleischfetzen an einem der vielen Haken des an der Decke befestigten Laufbandes, einzelne verlorene Blutstropfen und eine durchdringende Desinfektionsmittel-Tier-Geruchsmischnung wirken wie kurze Einblicke in eine andere, grausame Realität.

Mein immer wieder auftauchendes Gefühl von Schmerz und Entsetzen an einzelnen Etappen unseres Rundgangs, so z.B. an der Tötungsstation für Rinder, dann einem stählernem Loch in der Wand, in dem die Haut entsorgt wird, ist kurzfristig stechend präsent und versinkt dann wieder in weiteren freundlichen und präzisen Erklärungen zur sinnvollen Funktionsweise der einzelnen Arbeitsvorgänge.

Nebenbei lerne ich die Tötungsnische für Lämmer kennen und erfahre beim Gehen, dass jedes Tier – ob Schwein, Rind, Lamm oder Vogel – seinen eigenen Geruch hinterlässt, auch wenn ich nur feuchte, sauber gespritzte Gerätschaften sehe.

Die Geflügelschlachtung, auch nicht im laufenden Betrieb gesehen, steigert diesen Eindruck des technisch Aufwendigen und enorm Ausgetüffelten, denn hier werden Puten, Hühner und Enten sogar ohne menschliches Dazutun von einer rotierenden Messerscheibe die Köpfe (nach Tötung durch Elektroschlag in einer Wasserwanne) abgetrennt. Eine Wanne voller Vogelköpfe …

Nachts kann ich nicht schlafen – sehe vor allem die durchtechnisierte Vogelschlachtanlage vor mir, sehe, wie flatternde Vögel mit dem Kopf nach unten aufgehängt werden, auf der Fahrt zu der tödlichen Wanne …
Ich erinnere mich an das Anfassen einer Schweinehälfte im Kühlhaus und spüre die Festigkeit meines Körpers und die der in diesen Maschinerien hängenden Körper – Schweine, Rinder – und ich bin im Kern erschrocken:
In meiner Assoziation empfinde ich in dem Potential, eine Schlachthofmaschinerie zu entwickeln, auch die Fähigkeit, ein Konzentrationslager zu konzipieren.
Der Zuckerguß bricht weg.
Ich schaffe es nicht mehr, die gute Behandlung der Tiere hochzuhalten – es kommt mir wie ein noch größerer Verrat vor.

„Wer den kreuzförmigen Stich in die Herzarterien des durch Elektoschlag betäubten Schweines macht, fängt mit einem Schlauch direkt das heraussprudelnde Blut auf. Es wird sofort her-untergekühlt – für Blutwurst.“
„Nach den ersten 40 Schweinen wird alles weitere Blut entsorgt.“
Viele Erklärungen hallen in mir nach, mein innerer Raum ist unruhig, dunkel und unverdaubar gefüllt.

Dienstag

Der 3. Tag beginnt wieder im Bauernhof, das Grauen der Nacht verdrängend, bei schnaufenden, lebendigen, pulsierenden Tieren und freundlichen Menschen. Wir meditieren und sprechen.

Nachmittags im Schlachthof

Vor der Ankunft der Schlachttiere, die eine Nacht vor der Schlachtung eine „artgemäße Eingewöhnungszeit im Wartestall“ erfahren, können wir uns in einem Raum neben der Anlieferungsrampe aufhalten.
Im Gegensatz zu den möglichst reinen und desinfizierten Räumen der Schlachtung fallen die Räume für die Mitarbeiter besonders auf:
Auch hier sehr funktional – gekachelt und kahl,
schmutzig, mit eingetrockneten Blutflecken,
und ohne Spiegel, zumindest in den sanitären Anlagen, die ich sehen konnte.
(Wofür auch sich selbst ansehen?)

In Erwartung der Tiere

In diesem focussierenden Raum meditierend und rezitierend wird die Grausamkeit des Ortes spürbar. Auf der Gefriertruhe, in der nur ein Eimer gefrorenes Blut(?) steht, brennt das Räucherstäbchen, sitzt der Buddha, daneben sind wir

– bekennen,
– bezeugen.

Die nun real erlebte Praxis der Schweineanlieferung beim ersten Transport lässt erste Unstimmigkeiten erkennen:
Schweine ohne Schwänze,
enorme Rang- und Angstkämpfe,
Schreie und Gedrängel.
Die Atmosphäre um diese Tiere ist von Angst, Verunsicherung und Leid durchdrungen.
Ein weiterer Schweinelieferant, geht freundlich mit seinen Tieren um, die ihm entspannt vertrauend folgen. Immer wieder werden Schweine angeliefert, insgesamt ca. 140.

Hier werden sie nun über Nacht mit Wasser berieselt, zur Beruhigung, denn sie sind seit 24 – 36 Stunden nüchtern, „wie vor einer OP“ bekommen wir erklärt. Auch leite dann der morgendliche Stromschlag besser …
In mir ist der Wunsch deutlich, die Nacht bei diesen Tieren zu verbringen, was natürlich den bereits toleranten Rahmen sprengen würde.
So sitze ich noch abends bei den Schweinen im Bauernhof, natürlich nach Absprache mit dem Bauern.

Mittwoch

Morgens um 5.30 Uhr gehen wir im Morgengrauen (wahrhaftig) zum Schlachthof.
Ich laufe jedem Lebewesen entgegen, dessen Tod ich in meiner Gier, meinem Haß und meiner Unwissenheit sinnlos und gedankenlos mir dumpf einverleibt habe. Es ist für mich ein wirkliches Begreifen dieser von mir so oft rezitierten Wörter.

Beim Ankommen auch hier Transparenz – durchsichtige Schutzkleidung für uns zum Anziehen bevor wir von dem sogenannten reinen in den unreinen Bereich laufen, also von den gestempelten Schweinhälften zu den noch lebenden Schweinen im ‚Wartestall‘.

Hinein in den laufenden Schlachtbetrieb

Es ist wie eine Apokalypse.
Dunst wabernd an der Decke, die Tierkörperhälften dampfen.
Überall fahrende, blutende, tropfende Schweinehälften.
Auf einer Bühne stehen Männer mit Messern, die an den Tierkörpern schneiden, ziehen, werfen und zu uns herunterschauen.
Ich bin in einer anderen Welt, einer Hölle.
Wie lange werde ich es hier drin aushalten?
Gut, dass es eine langsame Annäherung an das ganze und vor allem lebende Tier für mich gibt. Ich brauche diese Zeit und kann sie kaum ertragen.
Mein Blick hinauf zu den Menschen, an denen ich Menschliches suche, eher wie gut eingespielte Bewegende.

Das Schwein wird in zwei Hälften gesägt. Der Rest der Innerein und die aus dem Maul hängende Zunge wird herausgezogen und in fahrende Tröge geworfen.

Das Schwein wird aufgeschnitten und ein Mann holt einen ganzen Arm voll Gedärme heraus, sie füllen einen fahrend Trog aus.

Aus den Augenhöhlen der Tiere rinnt Blut, Blutspur unter dem Laufband, Bluttränen auf dem Boden.

Dann über blutgefüllte Rinnen, zwischen blutenden Schweinen ein neuer Blick:
Zwei Männer drehen einen Schweinekörper. Der Tierkörper in seiner Festigkeit und Hautfarbe wie Menschenhaut – ein Kinderkörper könnte es fast sein. Diese einschießende Phantasie bringt mich kurz an meine Grenze.

Aufgehängt an den Sehnen wird der Körper abgeflämmt. Archaische Elemente:
Körper
Blut
Feuer
Dampf
Tod

Dann schon direkt um die Ecke sind wir an der „Betäubungsbucht“. Dahinter werden 2 Schweine in einer Trommel geschleudert (entborstet), davor erstmals hängend durch Wasserdampf zum Abbrühen gefahren, gerade max. 1 Minute tot.

An der Tötung

Das Schwein schnüffelt herum, versucht zu erblicken.
Blitzschnell wird der Kopf hochgedrückt, die Stromzange hinter den Ohren angesetzt und geklammert – der Stromschlag.
Die Klappe geht hoch, das betäubte Tier fällt seitlich auf ein Laufband. Jetzt erfolgt sofort der Stich (Kreuzstich – fast wie die Geste in der Kirche). Das Blut sprudelt heraus. Nase und Lippen zittern. Das Tier stößt sein Leben aus. Es ist kein Hauchen. Das Tier kann sein Leben nicht mehr halten. Der Mensch hat das Gefäß zerbrochen.

Hinter der Tötung ist direkt die sogenannte Schleuse, wie ein Tunnel.
2 Schweine sind schnüffelnd drin, das erste wartet, auf die Betäubung des Artgenossen fast blickend, das zweite wird gerade hineingedrängt. Wenn das Tier in der Schleuse nicht geht, fährt das Laufband an und es wird von hinten maschinell geschoben.

Kleine, nicht einkalkulierbare Verzögerungen geben sofort einen Stau an der Schleuse.

Mein Blick an den lebenden Wesen vorbei führt zum gerade aufgehängten toten Schwein, was in den heißen Dampf fährt. Direkt vor mir schnüffeln die Schweine herum, bei Streit werden sie kalt abgesprüht.
Die Biß- und Kratzspuren der Nacht sehe ich später deutlich, z.B. auf den aufgereiht hängenden Schweinehälften im Kühlhaus. Hier bekommen wir noch mal eine plastische Erklärung der einzelnen Fleischpartien, die sonst vereinzelt in der Theke liegen: Kotelett, Filet,…

Bei unseren anschließenden Aufenthalt in der Kantine begegnen wir den Metzgern. Hier scheint man den Mitarbeitern keinerlei Komfort schuldig zu sein – Gemütlichkeit gehört nicht in den Schlachthof, ein Getränkeautomat und ein paar Aschenbecher an einem langen Holztisch mit Bank genügen. Die Arbeiter von der Bühne bekommen ein Gesicht, eine Stimme und werden Person. Sie sprechen nicht von der „Betäubungsbucht“, sondern von ihren 22 Jahren an der Tötung. Diese Klarheit wirkt ehrlich.
Es sind freundliche Männer, die bestimmt bei einer Autopanne helfen würden und nun froh sind, nach 8 Stunden Arbeit morgens um 8.00 Uhr Feierabend zu haben.

Parallel zeigt uns der Betriebsleiter einen Werbefilm für Thönes: Tiere in der sonnigen Natur, Schweine spielend im Stall. Die Musik wird ausgeblendet, ein rotes Schriftband gleitet über den Bildschirm: EIN TIER LÄßT SEIN LEBEN (…) SCHONENDE SCHLACHTUNG (…) WIR SIND ES IHM SCHULDIG (…), dann wieder Musik.
Vermeintlich scheint die Moral beruhigt, der Tiefschlaf kann weiter gehen, Gute Nacht.

Anschließend sind wir wieder in unserem Raum neben der Anlieferungsrampe. Der Duft der Räucherstäbchen von gestern gibt eine Ahnung von Heimatgefühl in diesen ungeheuerlichen Erlebnissen.

Hier haben wir ein Rundgespräch und ich versuche meinem Begreifen Ausdruck geben:
Das bin ich.
Alles bin ich.
Alles hat in mir Platz.
Welch großer Schmerz-!
Welch große Freiheit-!
(Rückblickend kann ich sagen, dass ich dieses Empfinden nicht erwartet hatte, sondern eher mit Ideen von engagierten Vegetariern gerechnet hatte. Aber für Polarisierungen oder gar eine Dualität gab es keinen Raum in mir, ich war nicht getrennt von diesem unglaublichen Geschehen, an dem teilzunehmen ich niemandem wünschen würde. Und doch nehmen wir alle teil.)

Später spüre ich die Wucht der Doppelmoral des sogenannten ‚Bio-Schlachthofes‘. Einfache Polarisierungen gelingen hier zunächst nicht, wie z.B. augenfällige Grausamkeiten in einem konventionellen Schlachthof mit 1.300 geschlachtet Schweinen in der Stunde, die vorher mit Co2 vergast werden, das 8 Std. täglich.
Nein, hier werden nur 140 Schweine täglich geschlachtet, nur 50 Rinder in der Woche anstatt 780 Rinder täglich.
Hier wird von der „artgemäßen Eingewöhnungszeit“ von Tieren gesprochen um Streß zu vermeiden, denn: „Reines Fleisch verträgt keine Kompromisse“. (lt. Broschüre).

Hier wird von „Achtung vor dem Leben“ gesprochen, denn „den Tieren, die wir mit bestem handwerklichem Geschick schlachten, schulden wir zu ihren Lebzeiten unseren Respekt als Mitgeschöpfe“.

Und genau diese scheinbar kleine Veränderung, wo es nicht mehr um den Respekt zu unseren, sonder zu ihren Lebzeiten geht, ist der perfide und verratende Unterschied.
Die suggerierten ‚bösen‘ und den ‚guten‘ Schlachthof gibt es in letzter Konsequenz nicht:
Tod ist Tod ist Tod.
Egal wo.

Auf dem Bauernhof

Als wir uns nachmittags, in unserer Pendelbewegung zwischen dem Schlachthof und dem Bauernhof, wieder auf dem Bauernhof einfinden, schlägt uns erstmalig Befremden und Verschlossenheit entgegen: „Nein, bitte nicht die Tür zum Schweinestall öffnen, es macht die Tiere nervös.“

Das Gegenstück zu unseren unendlich vielen Fragen, sowohl auf dem Schlachthof als auch auf dem Bauernhof, war, zu meinen durchgängigen Erstaunen, fast Erschrecken, vom Gegenüber keine Fragen zu bekommen. Dabei war ja unser Tun wahrhaftig ungewöhnlich. Und natürlich auch fragwürdig.

Wir vereinbaren ein gemeinsames Kaffetrinken für den nächsten Vormittag, um der Bauernfamilie Raum für ihre Fragen zu geben.

Trotz Teppich, auf dem wir zum Abschluß meditieren, haben wir im Bauernhof keinen Platz mehr. Und es wird mir immer deutlicher, wieso es ‚gegen die Regel verstößt‘:
So, wie wir die Tiere, vom Ferkel bis zum Schwein bis zur zersägter Schweinehälfte in den Schlachthof begleitet haben, also den Bauernhof zum Schlachthof gebracht haben, so bringen wir nun den Schlachthof zum Bauernhof zurück.
Diese Atmosphäre gehört hier scheinbar nicht hin. Hier soll es nur um Leben gehen. Vermeintlich satt, warm und zufrieden.

Neben den Bildern und Erfahrungen im laufenden Schlachthofbetrieb, war diese letzte 40-minütige Meditation im Schweinestall eine fast unerträgliche, aber ebenso bedeutsame Erfahrung für mich:
Die Schweine wurde gerade automatisch gefüttert. Sie schmatzen und schrien laut. Sehr laut.

Das Schreien. Die Gier, die Gier-
Und dieser Schrei ist ein einziger – ihr Leben hindurch – von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod –
Geboren, um ihren Sinn im Tod zu haben, zumindest aus Sicht der Menschen.

So schließt sich der Kreis, der präsent ist und im Alltag nicht sichtbar sein soll.

Für mich durchdringend und zutiefst bereichernd habe ich die drei Grundsätze der Peacemaker Gemeinschaft erfahren:
· Nicht wissen
· Teilhaben
· Ganzwerden.

****************

Text: A. Haffer-Penther
gefunden auf www.peacemaker-gemeinschaft.de

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3 Antworten to “Meditation im Schlachthaus”

  1. Hallo Holger,

    bin vom sehr lesenwerten Erfahrungsbericht der Veganversender nun hier gelandet. Was für ein bizarrer Text, und vor allem, was für eine bizarre Schlussfolgerung dass es außer der meditativen Autoerotik mit Gruselfaktor letztenlich keine Konsequenz für diesen „Peacemaker“ hatte. Wieso du diesen Menschen für ihr vulgäres Handeln Respekt zollst will sich mir auch nicht recht erschließen. Wenn es wenigstens darum gegangen wäre, -drastische- Wege für den Veganismus zu finden (und wenn auch über solche eine bizarre Selbststimulation wie meditieren im Schlachthof), dann könnte ich noch sagen, OK, Respekt, wenn das auch wesentlich einfacher gegangen wäre. Aber so? Die wollten halt Horror Live, quasi als Masturbationsverstärker fürs meditative Kopfwi(ks)en. Das wäre ja fast einen Artikel auf http://veganesauge.wordpress.com/ wert, so nach dem Motto „Meditierende Antiveganer, auf der Blutschliere ins Nirvana.“

    Offensichtlich wirkte der Text ganz anders auf mich wie auf dich:-)

    • Holger said

      Hallo Ava,

      Danke für Deinen Hinweis und die wertvolle Ergänzung durch Deine Sichtweise.

      Hm… „großen Respekt“ würde ich heute wohl auch nicht mehr schreiben. Es ist zweieinhalb Jahre her, da ich dieses Posting geschrieben habe. Ich deute es mal als ein gutes Zeichen von persönlicher Weiterentwicklung, dass ich heute diesen „großen Respekt“ nicht mehr empfinde 😉

      Andererseits kenne ich die buddhistische Szene in Deutschland ein ganz kleines bisschen und weiß, wie viel da in die eigene Tasche gelogen wird. Innerhalb des Dojos, also des Meditationsraumes bekennt man, das Leiden aller Wesen beenden zu wollen und außerhalb desselben legt man sich dann Wurst aufs Brot, manchmal auch vom „Öko-Schwein“. In diesem Kontext ist dieses Retreat wirklich ein revolutionärer Schritt.

      Wer sich länger mit Tierrechten beschäftigt hat und einen (weitgehend) veganen Lebensstil pflegt, vergisst manchmal, wie blind wir früher gewesen sind, als wir selbst noch Fleisch aßen und Lederhosen trugen. Der Meditationsbericht zeugt davon, dass jemandem klar geworden ist, dass die Fleischteile in der Kühltheke zuvor Bestandteile eines lebenden, empfindenden Wesens waren. So selbstverständlich mir das (heute) ist, ist es für den Autoren offensichtlich eine Erkenntnis gewesen. Und genau darum geht es. Er hat sich, wie andere Retreat-Teilnehmer, selbst dieser Erkenntnis ausgesetzt. Das finde ich mutig. Mutiger als das Verhalten all jener, die Augen und Ohren verschlossen halten und Vegetarier und erst recht Veganer für Spinner und Schlachten unausweichlich halten.

      Ich weiß nicht wie Du zum Veganismus gekommen bist. Ich weiß jedoch von einigen Veganern, dass sie solche Erkenntnismomente, solche Anstöße brauchten. Warum nicht auch über ein buddhistisches Meditationscamp?

      Sicherlich: der kämpferische Teil in mir hätte sich gewünscht, dass sie vor Ort den Schlachtablauf sabotieren; doch das kann man von deutschen Buddhisten glaube ich nicht erwarten 😉

      • Huch das ging ja schnell:-) Ich habe deine Antwort genossen, du hast meine Provokation gut abgefangen. Allerdings gibt es eine unelegante Stelle , denn die Verknüpfung zwischen meinem Veganismus und dem (möglichen) Veganismus schlachthausmeditierender Buddhisten ist deswegen nicht ganz „sauber“, da meiner ja real ist:-)

        Aber in der Sache hast du natürlich Recht. Vermutlich stand ich noch im Schock der Bilderflut ohmmender Leute inmitten der Tötungsmaschinerie.

        Ich habe inzwischen auch ein wenig über diese Gruppe nachrecherchiert, und deren Guru kam wohl als erster auf diese Idee, sich über Meditation mit dem Offensichtlichen auseinander zu setzten. Der macht regelmäßig „Retreats“ nach Auschwitz…, was mein Kopfschütteln noch mal um einige Grade verstärkt. Ob sich die Protagonisten hier das wohl auch im laufenden Betrieb mal angesehen hätten, um ihre Erfahrung zu intensivieren? SCNR

        Ich finde ja, der Buddhismus der durch eine westliche Mangel gedreht wird, ist noch mal um einige Grade krasser und konfuser als das Original.

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